#Epstein: Brunel, Wexner und ein weiteres Modelunternehmen

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In den vergangenen Artikeln habe ich bereits über das Modeunternehmen Victoria’s Secret von Leslie Wexner berichtet. Gleiches gilt für Jean-Luc Brunel, der mit seinem Modelunternehmen MC2 ebenfalls beschuldigt wird, an der Rekrutierung junger Mädchen aus Europa beteiligt gewesen zu sein. Nun, wenige Wochen später, gerät ein weiteres Unternehmen in den Fokus von Ermittlungen – Next Model Management!

Skandale, Kontroversen, Verwerfungen… Es läuft nicht gut für das Modehaus Victoria’s Secret. Der Dessous-Einzelhändler hat ohnehin ein Problem mit Vergangenheitsbewältigung und jetzt kommt auch noch Jeffrey Epstein hinzu. Seit 2015 hat Wexners Dessous-Imperium 20 Milliarden Dollar an Marktwert verloren.

Zwar war er kein direkter Mitarbeiter von Victoria’s Secret, dennoch übte er großen Einfluss auf das Dessous-Unternehmen aus. So arbeitete er lange Zeit mit Chief Marketing Officer Edward Razek zusammen. Razek, ein älterer Mann aus den 40ern, gilt als echtes Schwergewicht in der Branche. Größen wie Heidi Klum, Daniela Pestova oder Tyra Banks verhalf er auf ihrer Karriereleiter stetig nach oben. Epstein lockte junge Frauen mit dem Versprechen, Gigs für Victoria’s Secret zu modellieren und Zugang zu seinen einflussreichen Verbindungen in der Modewelt zu erhalten.

Laut einer Aussage unter Eid eines ehemaligen Buchhalters von der Firma MC2 Model Management, investierte Epstein eine Millionen Dollar in das Unternehmen. MC2 arbeitet eng mit dem amerikanischen Modeunternehmen Victoria’s Secret zusammen. Brunel ist derzeit wie vom Erdboden verschluckt. Es wird vermutet, dass er sich zuletzt in Brasilien aufgehalten hat.

 

Next Model Management

Das ist wahrlich noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn Epsteins Verbindungen zur Branche sind tiefer als bisher berichtet. Wie die DailyBeast berichtet, besuchte Epstein in einer Regelmäßigkeit das New Yorker Büro von Next Model Management um Gelder an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, die mit der Miteigentümerin Faith Kates und ihrer Familie in Verbindung stehen. Der bereits mehrfach thematisierte Brunel besaß eine 25-prozentige Beteiligung an Next und gehörte zu den Gründungsmitgliedern.

Als Epstein in den 80er Jahren wie ein Senkrechtstarter aufstieg, es war die Zeit als er Leslie Wexner kennenlernte, bewegte er sich schnell in den Kreisen der Modeelite. Er traf Models der Ford Agentur, wie Eva Andersson, einer ehemaligen Miss Sweden. Gleiches gilt für Naomi Campbell, mit der er in seinem Privatflugzeug flog.

Doch zurück zu Next Model: Wie eingangs erklärt, pflegte Epstein eine enge Beziehung zu der Unternehmensgründerin Faith Kates. Gegründet hat sie das Unternehmen 1989 und baute es zu einer der angesehensten Agenturen der Branche aus. Zu ihren Partnern gehörte Brunel und Lorenzo Pedrini, ein ehemaliges männliches Model, welches ebenfalls in Epsteins kleinem schwarzen Kontaktbuch erscheint.

Kates gilt als eine der wichtigsten Akteure in der Branche und baute Next in ein Imperium mit Niederlassungen auf der ganzen Welt aus. Die Agentur sponsert Musiker, Schauspieler und Social Media Stars.

Jeffrey Epstein und Faith Kates

Über einen gemeinsamen Freund, einen Rechtsanwalt, haben sich Epstein und Kates in den 80er Jahren kennengelernt. Anfang der 90er Jahre habe sie dann den Kontakt zu ihm abgebrochen. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis vor 10 Jahren wurde der Kontakt wiederbelebt.

Der besagte Anwalt sagt in einer Stellungnahme aus:

“Epstein informierte Frau Kates und alle anderen, die er kannte, dass der Grund, warum er ein Jahr im Gefängnis saß, darin bestand, dass er mit einer Prostituierten erwischt wurde, die ihm unbekannt und minderjährig war. Obwohl er angab unschuldig zu sein, stimmte er einem Plädoyer zu, welches ihm lediglich zu einer Gefängnisstrafe von 13 Monaten verhalf. Angesichts der milden Haftstrafe und der Tatsache, dass meine Mandantin nie ein unangemessenes Verhalten von Epstein beobachtet hat, sah sie keinen Grund, ihm nicht zu glauben.“

Vier ehemalige Next-Mitarbeiter erzählten, dass sie Epstein in den Jahren zwischen der Gründung von Next 1989 und Epsteins Inhaftierung 2008 in ihren Büros gesehen oder Anrufe von ihm entgegengenommen hätten. Ein anderer Mitarbeiter sagte aus, dass Epstein in den frühen 2000er Jahren “ständig in unserem Büro war”.

Steuerunterlagen von Epsteins gemeinnütziger Organisation – C.O.U.Q. Foundation Inc. – zeigen auf, dass Epstein im September 2006 insgesamt 50.000 Dollar an Kates’ Krebshilfe gespendet hat.

Im Jahr 2012 kündigte Epstein eine weitere Spende an Kates Stiftung an. Ihr Anwalt sagte hierzu:

“Epsteins Name stand auf einer Liste mit Hunderten anderer Spender, nachdem Kates dazu aufgerufen hatte, für ihre Krebs-Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Epstein war als Philanthrop bekannt und spendete zwischen 1998 und 2018 über 30 Millionen Dollar über seine privaten Stiftungen für zahlreiche gemeinnützige Zwecke.“

Beziehung zu Brunel

Auf die Frage nach ihrer Beziehung zu Brunel antwortete Kates:

Brunel war vor 30 Jahren am Unternehmen beteiligt, allerdings verließ er zwei Jahre später das Unternehmen und seither habe ich nie wieder von ihm gehört:“

Gerichtsakten belegen jedoch, dass die Familie Brunel mindestens fünf Jahre lang für das Unternehmen gearbeitet hat. Sie sind 1989 in den Partnerschaftsvertrag des Unternehmens aufgenommen worden. Zudem erscheint der Name Arnaud, der Bruder von Brunel, bis 1994 auf den offiziellen Firmendokumenten.

Die Trennung zwischen Brunel und dem Modelunternehmen Next Model tat der Beziehung des Franzosen zu Epstein keinen Abbruch. Im Zeitraum von 1999 bis 2005 flog Brunel mehr als 20 Mal mit dem Privatflugzeug von Epstein. Als Epstein 2008 verhaftet wurde, besuchte Brunel ihn fast 70 Mal im Gefängnis.

Virginia Roberts Giuffre, das wohl bekannteste von schier unzähligen Missbrauchsopfern, behauptete vor Gericht, Brunel habe mehrfach Teenagermädchen an Epstein vermittelt, in die USA geschleust, Modellvisa beantragt und zum Sex freigegeben.

Giuffre gibt weiter an, zum Geschlechtsverkehr mit Brunel im Anwesen von Epstein gezwungen worden zu sein.

“Jeffrey Epstein hat mir gesagt, dass er mit über 1.000 von Brunels Mädchen geschlafen hat, und alles, was ich gesehen habe, bestätigt diese Aussage.“

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Brunel reichen Jahrzehnte zurück, konnten bis dato aber nicht bewiesen werden. Das könnte sich nun ändern. Drei ehemalige Models wagten den Weg ins Licht der Öffentlichkeit und geben an, in den 80er und 90er Jahren von Brunel in Paris missbraucht worden zu sein. Begonnen hat alles in den 80er Jahren, also zu genau jener Zeit, in der Next Model Management gegründet worden war. Meinen Artikel hierzu habe ich hier für Sie verlinkt.

Brunel etablierte sich in den 1980er Jahren fest als einer der Globalplayer in der Modebranche, als er als Scout bei der Karin Models Agentur in der französischen Hauptstadt arbeitete. Nach eigener Aussage hat Brunel federführend die Modelkarrieren von berühmten Persönlichkeiten wie Jerry Hall, Angie Everhart und Christy Turlington lanciert.

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